Sie sind hier

Schreiben statt Schweigen

Von: Kaan Orhon
12.08.2016   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah
Gedanke zum Freitag:

Heute von Kaan Orhon, RAMSA-Vizepräsident und Islamwissenschaftler aus Göttingen

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch:

„Lies, und dein Herr ist der Edelste,
Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr gelehrt hat,
den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“ ((al-Alaq:3-5))

Lügenpresse. Was als Kampfparole der rassistischen Pegida bekanntgeworden ist, erfreut sich leider auch unter nicht wenigen Muslimen großer Beliebtheit. Wobei „Lüge“ hier in Wahrheit bedeutet, „sie berichten nicht das, was ich für richtig halte“. Manch einer betreibt in diesen Tagen eine „Medienkritik“ die ebenso (un-)sachlich ist wie die „Islamkritik“ von Talkshows und populistischen Politikern.

Freilich ist es genauso wenig richtig, jede Berichterstattung unkritisch aufzunehmen. Zwischen Berieselnlassen und komplettem Verteufeln liegt ein Mittelweg, der wie in vielen anderen Fällen auch der Empfehlenswerteste ist.

Aber es ist nicht nur wichtig, sich damit zu beschäftigen - und wo nötig zu kritisieren - was uns an Berichterstattung angeboten wird. Wichtig ist auch, uns selbst und unseren Umgang mit Medien zu reflektieren. In Zeiten von Facebook und Twitter sind wir mehr denn je Teil des medialen Schaffens. Was wir teilen, anklicken, weiterschicken hat unmittelbaren Einfluss auf das große Ganze – wir sind also keineswegs nur Konsumenten, sondern auch Verteiler, Verstärker von Informationen und Narrativen.

Schön wäre es, wenn mehr von uns den Schritt machen würden, vom Verteiler hin zum Produzenten.

Selbst schreiben, Narrative schaffen, Meinungen bilden anstatt sich nur mit dem Schaffen anderer auseinander zu setzen. Dies sollte überall fester Bestandteil der Hochschularbeit sein.
Ich hatte viele Male die Freude, vor Studierenden sprechen zu können, die an ihrer Uni oder FH eine muslimische Hochschulgruppe gründen wollten, und immer war Bestandteil meiner Empfehlungen, sich zu informieren, was die Medienlandschaft der Hochschule bietet. Gibt es eine Studierendenzeitung? Uni-Radio? Blogs, Newsletter oder dergleichen? Sich dort einzubringen, das grundlegende Handwerkszeug der Öffentlichkeitsarbeit zu erlernen ist ebenso eine Chance, die Arbeit der Hochschulgruppe zu fördern wie eine Anlage für das spätere Leben, sei es im Beruf oder im Ehrenamt. 

Unser Schöpfer hat uns, im Sinne des eröffnenden Verses, die Anlagen gegeben. Es ist an uns, sie zu nutzen, um im Rahmen unserer Möglichkeiten in der Gesellschaft zum Guten zu wirken, das Rechte zu gebieten und das Unrechte abzuwehren, denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden – und dies meint nicht nur uns selbst. Wir können selbst aktiv werden, anstatt am Rand zu stehen und zu mäkeln und zu hadern mit der Ungerechtigkeit der Welt. Es wäre Undankbarkeit ob Seiner Gunst, wenn wir diese Möglichkeit, dieses Geschenk ungenutzt ließen.

In diesem Sinne wünscht euch der Vorstand des RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.