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Zu den antimuslimischen Entgleisungen von Nicolaus Fest in der „Bild am Sonntag“

28.07.2014   |   In: Stimmen

Zu den antimuslimischen Entgleisungen von Nicolaus Fest in der „Bild am Sonntag“ - Ein Kommentar des Rates muslimischer Studierender & Akademiker (RAMSA)

In einem Kommentar in der Bild am Sonntag offenbarte der stellvertretende Chefredakteur Nicolaus Fest ein erschreckendes Maß an antimuslimischen Vorurteilen.

Auf die einzelnen „Argumente“ die Fest absondert, einzugehen, verbietet sich absolut. Sein kurzer schriftlicher Angriff auf „den Islam“ und „die Muslime“ wiederkäut ausschließlich hinreichend bekannte, absurde Unwahrheiten auf dem Niveau von Stammtischparolen. Es handelt sich um reine Ideologie und aus unserer Sicht eine menschenverachtende Feindbildkonstruktion. Kein Wunder also, wenn rechtsextreme Blogs - teilweise zu Recht vom Verfassungsschutz beobachtete - ihn als den nächsten Kämpfer, der es dem „muselmanischen Ungeziefer“ zeigen würde, feiern.

Volker Beck von den Grünen, der Fests Entgleisung kritisiert, wird auf diesen Blogs als „perverser Schwuler“ und „Pädophiler“ beschimpft. Diese Leute also hat Fest bestätigt. Schlimmer noch, er hat dies in der meistgelesenen Zeitung Deutschlands getan. Fests rassistische Entgleisung im Namen der Bekämpfung des Rassismus darzustellen, ist purer Zynismus.

Warum auf die Hassattacke von Fest eingehen?

Der in negativer Hinsicht relevante Absatz findet sich gegen Ende von Fests Geschmiere: nachdem er – bar jeder Qualifikation – den Islam als Integrationshindernis benannt hat, fordert er, dies müsse bei Asyl und Zuwanderung berücksichtigt werden. Zwischen den Zeilen ist hier deutlich zu lesen, dass das Recht auf Asyl für die von Fest unerwünschten Muslime eingeschränkt oder am besten ganz entzogen werden soll. Und in der Zuwanderung sollen andere rechtliche Maßstäbe für Muslime (oder solche, die er dafür hält) gelten als für Menschen anderer Religionszugehörigkeit. Fest fordert nichts weniger, als dass der Staat doch bitte endlich anfangen solle, Menschen gesetzlich zu diskriminieren.

Rassismus ist niemals und nirgendwo akzeptabel. Und gegen niemanden. Nicolaus Fest wirkt nicht anders als die kriminelle Minderheit auf den Demonstrationen, die wohl der Aufhänger für seinen aktuellen Hassausbruch sein sollen. Der stellvertretende Chefredakteur der Bild am Sonntag, und die, die vor der Synagoge „Jude, Jude, feiges Schwein…“ rufen, sind zwei Seiten derselben Münze, sie sind charakterlich gleich und sollten auch so behandelt werden. Mit seiner Forderung nach Diskriminierung in Asyl und Zuwanderung ist er untragbar geworden.

Sich einer Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu bedienen um eine andere (vorgeblich) zu bekämpfen, zeigt, dass Fest und seinesgleichen nichts verstehen, keine Lehren aus der Geschichte des Judenhasses in Deutschland gezogen haben. Mit seinen ignoranten Ausfällen zerstört er, was andere Menschen in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben. Für Fest scheint das keine Rolle zu spielen, für uns als deutsche Muslime ist es essentiell.

Darum erklären wir als Rat muslimischer Studierender & Akademiker noch einmal, dass es in unserer Gesellschaft keinen Platz gibt für Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus oder Islamfeindlichkeit, sowie jede andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.