"Die Verantwortlichkeit der intellektuellen Muslima" - RAMSA Seminar

Bonn, einst die Hauptstadt der Bundesrepublik, idyllisch an den Ufern des Rheins gelegen, war Veranstaltungsort des RAMSA-Seminars. Auf dem Ortsschild ist noch immer „Bundesstadt Bonn“ zu lesen. Und das ist auch immer noch zutreffend, denn für etwa zwei Drittel des über 60 jährigen Bestehens unserer Bundesrepublik Deutschland fand sich der Regierungssitz in dieser im Süden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen befindlichen Stadt. Wichtigster Sohn der Stadt ist der Musiker Ludwig van Beethoven (*1770 in Bonn; † 1827 in Wien). Daran erinnert auch heute noch das Beethovenhaus, Geburtshaus des Komponisten, das für Touristen die mit Abstand größte Attraktion darstellt. Nicht zu vergessen ist der Bonner Hauptbahnhof, dessen Empfangsgebäude heute unter Denkmalschutz steht und der Stadt einen zusätzlichen besonderen Charme verleiht. Genau hier fing das Abenteuer der rund 15 Studentinnen und Akademikerinnen an, die aus den umliegenden Städten, wie Aachen, Essen, Köln aber auch aus der weit entfernten neuen Hauptstadt Berlin kamen, um am 03.12.2011das Seminar für muslimische Frauen mit dem Titel "Die Verantwortlichkeit der intellektuellen Muslima" zu besuchen. Das Seminar wurde im Rahmen der RAMSA Akademie veranstaltet, mit dem Ziel, gemeinsam die Verantwortlichkeit gegenüber der Gesellschaft, der Familie und dem Selbst zu ergründen und bewusst mit dieser im Alltag umzugehen.
Am Bahnhof angekommen führte der Weg durch die wunderschöne Kastanienallee hin zum kurfürstlichen Schloss, dem heutigen Hauptgebäude der Bonner Universität. Die Abkürzung durch den Hofgarten des Schlosses führte schließlich zum Ziel, dem Seminarort in den Räumen des RAMSA in Bonn. Ein herzlicher Empfang aller angereisten Seminarteilnehmerinnen mit einem kräftigenden Mittagsbuffet, welches beim gemütlichen Speisen am runden Tisch Gelegenheit für das Kennenlernen untereinander und für gewisses Amüsement bot, bildete den Auftakt.
Freudig wurde die erste Referentin Amina Erika Theißen begrüßt, Geschäftsführerin des BFMF e.V. Köln (Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen), die nur wenige Tage später am 07.12.2011 für ihre ehrenamtliche Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Nach einer Vorstellungsrunde aller Seminarteilnehmerinnen, sowie der Veranstalterinnen des Programms, begann der Vortrag von Frau Theißen mit einleitenden Literaturhinweisen und Statistiken zur aktuellen Situation von beruflich qualifizierten Musliminnen in der hiesigen Gesellschaft. Dazu wurde die Problematik von Frauen mit einem Kopftuch in den Vordergrund der statistischen Analysen gestellt. So würden laut Daten von verschiedenen Studien (z.B. Human Rights Watch 2009) Musliminnen trotz guter Bildungsnachweise im Namen der Neutralität diskriminiert. Zudem betonte Frau Theißen, dass die Diskriminierung seitens der Gesellschaft nie zufriedenstellend dargestellt werden würde und so die Abarbeitung dessen erschwere. Doch trotz der bedenkswerten Zahlen, ermutigte Frau Theißen die Gruppe und führte Beispiele erfolgreicher Musliminnen auf, deren Zahlen weiter steigen würden. Anschließend wurde der Vortrag mit der Vorstellung ihres Vereins BFMF Köln und mit den aufmunternden Worten, dass die Muslime voller Optimismus in die Zukunft blicken könnten, beendet. Denn in 20 bis 30 Jahren wird sich Deutschland im Zuge des demografischen Wandels dahingehend verändert haben können, das Musliminnen und Muslime ihrer Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft durch einen wachsenden Anteil an zu ergreifenden Führungspositionen gerecht werden müssten.

   

 

Gegen Abend wurden die Teilnehmerinnen mit kulinarischen Speisen der türkischen Küche verwöhnt und gingen dauraufhin gestärkt in die zweite Vortragsrunde. Erwartet wurde Hadia El-Attar, Soziologin, Politikwissenschaftlerin und Psychologin aus Aachen. Ihr Vortrag basierte, anders als bei Amina Erika Theißen, auf einer emotionalen Ebene der Betrachtung hinsichtlich der Verantwortlichkeit der intellektuellen Muslima. Der Vortrag begann mit einem kurzen Exkurs in die Zeit und das Leben des Propheten (s.a.v.) bzw. dem seiner Ehefrau Khadija (ra.), deren beispielhafte Lebensweise bis zur heutigen Zeit für uns Gültigkeit habe. Denn die Verantwortlichkeit von Khadija (ra.) gegenüber ihrer Gesellschaft sei hoch gewesen, weil sie wissend war. Nicht anders sei es auch bei den Musliminnen in der heutigen Zeit, die durch mehr Wissen und Kompetenz genau dieser Verantwortung, aber auch und vor allem ihrem Schöpfer und sich selber gerecht werden müssten. Dies bedeute, dass die Weite der Verantwortung und Pflicht mit der des Wissens einhergehe. Weitere Beispiele, wie etwa die Verantwortlichkeit gegenüber der Familie als Ehefrau und Tochter, erläuterte die Soziologin anhand ihrer persönlichen Lebenserfahrung. Sichtlich ergriffen von der rührenden Lebensgeschichte von Frau El-Attar ging nun auch die zweite Runde zu Ende und es bot sich an, die weiterführenden Unterhaltungen und Diskussionen bei Kaffee und köstlichem Nachtisch weiterzuführen. Zur Freude aller Schwestern klang der lehrreiche Abend mit praktischen Tipps zum Thema “richtige Pflege und Visagistik“ durch die Kosmetikerin Karima Körting Mahran aus.

Im Namen des RAMSA hoffen wir, dass durch die Darstellung der Refentinnen allen Teilnehmerinnen die besondere Bedeutung der Verantwortlichkeit gegenüber Allah (ta.) und seinen Mitmenschen verdeutlicht wurde. Die RAMSA Akademie wird auch in Zukunft Workshops und Seminare anbieten, um das kollektive Verständnis gegenüber spezifischen Themen zu stärken und weiter zu entwickeln.