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RAMSA unterstützt europaweite Initiative zum Schutz der Religionsfreiheit

Von: El Hadi Khelladi
15.01.2014   |   In: Dialog

Der Dialogbeauftragte des Rates muslimischer Studierender & Akademiker (RAMSA), El Hadi Khelladi, wirbt um europaweite Vernetzung von Juden und Muslimen. Der Resolution des Europarates zur Kriminalisierung der Zirkumzision aus religiösen Gründen soll entgegengewirkt werden.

Die Entschließung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, die Zirkumzision bei Knaben aus jüdischen oder muslimischen Familien als riskant zu bezeichnen und somit Änderungen in der religiösen Praxis zu fordern, hatte Entsetzen ausgelöst. Demzufolge formierte sich Widerstand. Die Exekutive und der Lenkungsausschuss des Gathering of European Muslim and Jewish Leaders (GEMJL) der mit RAMSA kooperiert und von Dr. Rabbi Marc Schneier und Imam Shamsi Ali initiiert wurde, ist die erste gemeinsame europaweite jüdisch-muslimische Initiative ihrer Art. Das erklärte Ziel ist, Juden und Muslime in Deutschland und Europa zu vernetzen und für gemeinsame Anliegen einzutreten, und um hier eine internationale Verbreitung und Unterzeichnung der folgenden Petition gegen die Resolution zu bitten.

Hier der Link zur Petition:
https://www.change.org/en-GB/petitions/council-of-europe-and-the-european-union-leaders-to-end-their-attempts-at-banning-circumcision-and-support-religious-freedom-for-all-europeans

Es hagelte internationale Kritik an der Resolution des Europarates. Er solle die Resolution "unverzüglich zurücknehmen", forderte das israelische Außenministerium. Es sei ein Beleg für eine "schockierende Unwissenheit", wenn die Beschneidung bei Knaben mit der Genitalverstümmelung bei Mädchen verglichen und in der Folge als „besorgniserregend“ angesehen wird. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen die im Netzwerk European Union of Independant Students & Academics (EUISA) vertretenen Organisationen und RAMSAs Think Tank Political Issues, wie ein Sprecher bestätigt:

RAMSA Politik-Analyst Moussa A. mit Dr. Rabbi Marc Schneier, Imam Shamsi Ali und Samia Hathroubi von der FFEU in Wien
RAMSA Politik-Analyst Moussa A. mit Dr. Rabbi Marc Schneier, Imam Shamsi Ali und Samia Hathroubi von der FFEU in Wien

„Die Genitalverstümmelung von Frauen, wie zum Beispiel die sogenannte »pharaonische Beschneidung«, ist selbstredend abzulehnen und zu unterbinden, kann aber zum Beispiel nicht mit der jüdischen Tradition der Brit Mila gleichgesetzt werden.“, so Moussa.

Die Resolution wurde initiiert, damit das Bewusstsein für „Risiken solcher Praktiken“ in den Mitgliedstaaten des Europarates geschaffen wird, um für das „Kindeswohl“ einzutreten und die jüdische und muslimische religiöse Orthopraxie der Zirkumzision am Ende unmöglich zu machen. Die Unterstellung, dass das Kindeswohl aufgrund dieser Praxis negativ beeinträchtigt wird, konnte freilich bis dato noch niemand schlüssig beweisen. Die Debatte um die Beschneidung hatte in Deutschland begonnen. Emotional geführte Diskurse und Überzeugungsstrategien in der Politik oder in Talkshows können nicht als konstruktive Auseinandersetzung oder Erklärung der Sachlage genommen werden. Zudem waren die Einschätzungen einiger Juristen sehr technisch und fern des Verständnisses für die Lebenswirklichkeiten jüdischer und muslimischer Menschen in der Bundesrepublik. Fakt ist auch, dass die breite Gesellschaft maßgeblich durch die öffentlichen und teils überzogenen  Auseinandersetzungen von Gegnern/innen und Verteidigern/innen der Zirkumzision verunsichert wurde. Eine sachliche Gegendarstellung kam seltener zu Tage. Es ist ja auch nicht verwunderlich: In den Talkshows wurde bevorzugt Imamen, Rabbinern und anderen Repräsentanten/innen der religiösen Communities mit einem russischen, türkischen oder arabischen Akzent ein Platz zum Gespräch angeboten. Der Effekt war, dass die Argumente jener, im wahrsten Sinne des Wortes „platzierten“ Talk-SHOW Protagonisten/innen, als „fremd“ erschienen. Zudem wurden und werden religiöse jüdische und muslimische Begründungen als „rückwärtsgewandt“ und überwunden wahrgenommen. Wichtige und konstruktive Stellungnahmen wie die von Dr. Dieter Graumann vom Zentralrat der Juden oder verschiedenen muslimischen Vertretern/innen als auch von einigen Juristen und Chirurgen schienen in den hitzig geführten Diskussionen unterzugehen. Glücklicherweise konnte in Deutschland eine vernünftige gesetzliche Regelung zur Zirkumzision gefunden werden. Jüdische und muslimische Europäer/innen sehen sich nun mit einem noch größeren Problem konfrontiert. Der Beschneidungsdiskurs erreichte unsere europäischen Nachbarländer wo teilweise populistische Gruppen und Parteien es als emotional geführtes Kampfthema missbrauchten, um Stimmen einzufangen und diese in die Mitte der Gesellschaft tragen. Da verwundert es nicht, dass eine Resolution im Europarat die logische Konsequenz ist. Der Präsident des RAMSA, Bacem Dziri, mahnte ebenfalls eine Normalisierung an:

„Die zunehmend defizitäre Anschauung religiöser Bräuche droht Jahrtausende alte Traditionen zum Versiegen zu bringen. Sie ist dabei blind für den Sinn, den die jeweiligen Religionen für sich ausmachen. Im Moment ist die Tendenz leider weniger die Normalisierung.“

FFEU Twinning Osnabrück 2013 mit RAMSA Vertretern Ayse Cindilkaya, Moussa A. und El Hadi Khelladi sowie die Rabbiner Avichai Apel (Dortmund), Yaron Engelmeyer (Köln), Moshe Baumel (Osnabrück) und der Studentin Victoria aus Dortmund.
FFEU Twinning Osnabrück 2013 mit RAMSA Vertretern Ayse Cindilkaya, Moussa A. und El Hadi Khelladi sowie die Rabbiner Avichai Apel (Dortmund), Yaron Engelmeyer (Köln), Moshe Baumel (Osnabrück) und der Studentin Victoria aus Dortmund.

In der Tat ist die Zirkumzision bei Knaben in der jüdischen, muslimischen und Teilen der christlichen Kultur eine seit Jahrhunderten und Jahrtausenden geführte Religionspraxis, die auf Abraham zurückgeht. In der Vergangenheit war sie eine Angriffsfläche für Antisemiten/innen und auch jetzt gibt es mahnende Stimmen, welche auf die antisemitischen Untertöne hinweisen. Erstmalig wurde in der Bundesrepublik das Thema des Verbots der Zirkumzision bei Knaben heftig debattiert. Die heutige Entwicklung auf Europaebene ist ein Grund der Besorgnis. Dazu äußert sich der Vizepräsident des RAMSA Kaan Orhon, Menschenrechtsaktivist und Mitarbeiter der Gesellschaft für bedrohte Völker:

"Laut Selbstverständnis des Europarates ist der Einsatz für die Menschenrechte wesentliches Ziel seiner Arbeit. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, warum eine Resolution verabschiedet wird, die religiöse Gemeinschaften, oft Minderheiten, noch weiter stigmatisiert und kriminalisiert. Sie stellt einen Rückschritt dar in die Tradition der religionsfeindlichen Diktaturen Osteuropas, die die Menschen dort mit dem Übergang zur Demokratie überwunden zu haben hofften."

Die Abteilung für Dialogangelegenheiten des RAMSA weist darauf hin, dass die Petition vom Europarat nur dann ernst genommen wird, wenn eine große Masse an Unterzeichnern der Online Petition generiert wird. Folgende Herangehensweise wird vorgeschlagen:

  1. Unterzeichnung der Petition.
  2. Petition-Link mit 2-3 Zeiler auf private Facebook-Profile sowie in IHV/MHG Gruppen setzen und um Weiterverbreitung bitten.
  3. Link über Email-Verteiler, Twitter und anderen Netzwerken verbreiten.
  4. Besprechung des Themas in IHV Arbeitsgruppen, und ggf. jüdische Gemeinden als auch ESG und KHG um Unterstützung bitten.
  5. Zweite und dritte Erinnerungswelle zur Unterzeichnung posten.

Link zur Petition:

https://www.change.org/en-GB/petitions/council-of-europe-and-the-european-union-leaders-to-end-their-attempts-at-banning-circumcision-and-support-religious-freedom-for-all-europeans

Wir hoffen auf eine breite Teilnahme muslimischer, jüdischer, christlicher sowie konfessionsloser Freunde, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

El Hadi Khelladi
Kernmitglied der EUISA und Mitarbeiter im europäischen Lenkungsausschuss des
Gathering of European Muslim and Jewish Leaders (GEMJL) und
Foundation for Ethnic Understanding (FFEU)

Der RAMSA führt Pionierarbeit in der jüdisch-muslimischen Beziehung. Er entsandte bereits mehrfach Mitarbeiter seiner Abteilung für Dialogangelegenheiten sowie Extremismusforscher auf internationale Konferenzen*.

 

Quellen und weiterführende Links:

Resolution 1952 (2013)
http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2013/10/2013-10-01_council_of_europe_childrens_right_to_physical_integrity.pdf

Oberster Gerichtshof in Washington: Verbot der Beschneidung für Juden und Muslime bedeutet Bruch der amerikanischen Verfassung
http://www.welt.de/kultur/article13467574/Das-Zerrbild-vom-boesen-Juden-mit-blutigem-Messer.html

Israel protestiert gegen Resolution zu Beschneidungen – Spiegel Online
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/israel-protestiert-gegen-europaeische-resolution-zu-beschneidungen-a-926135.html

Kommentar zum Beschneidungsverbot in Deutschland: Dr. Dieter Graumann – Zentralrat der Juden in Deutschland
http://www.youtube.com/watch?v=rWcRQ8Bl_3w

* RAMSA bei der GEMJL in Paris
https://www.facebook.com/RAMSA/posts/203458246451637

* RAMSA Dialogbeauftragter zum Beschneidungsurteil auf der Muslim Jewish Conference
http://www.ramsa-deutschland.org/bemerkenswert/el-hadi-khelladi-vertritt-ramsa-bei-der-muslim-jewish-conference-2012

RAMSA + FFEU Weekend of Twinning
Deutsch: http://www.ramsa-deutschland.org/sma-%E2%80%93-stimmen-muslimischer-akademiker/mjc-national-%E2%80%93-austria-and-germany
Englisch: http://ffeu.wordpress.com/2013/02/07/german-jewish-and-muslim-leaders-gather-for-twinning-event/

 

Kooperierende Organisationen:

EUISA – European Union of Independent Students & Academics

RAMSA – Rat muslimischer Studierender & Akademiker

https://www.facebook.com/RAMSA?fref=ts

FFEU – Foundation for Ethnic Understanding

http://www.ffeu.org/

GMJFF – Global Muslim Jewish Friendship Forum

http://www.gmjff.org/

MJCFF – Muslimisch Jüdisch Christliches Freundschafts Forum

https://www.facebook.com/groups/310771648933049/?fref=ts

mkzentrum – Muslimisches Kompetenz Zentrum
https://www.facebook.com/mkzentrum

ÖSSU – Österreichische Schüler & Studenten Union