Projekt Juma - Jung Muslimisch Aktiv

Ein Treffen mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages, eine Gesprächsrunde mit dem Chefberater des türkischen Ministerpräsidenten, Umweltschutzaktionen zusammen mit Greenpeace, zahlreiche Workshops und Diskussionsrunden mit namhaften Wissenschaftlern, Medienvertretern und Prominenten.
Betrachtet man diese und die zahlreichen anderen Veranstaltungen und Aktionen,  an welchen die ca. 250 jugendlichen MuslimInnen zwischen 15 und 25 Jahren aus Berlin im Rahmen des JUMA Projektes bereits teilgenommen haben, dann  wird deutlich, dass die Bezeichnung „aktiv“ mehr als berechtigt ist.
Doch wie kommt es zu dieser Bandbreite an Aktivitäten, wer organisiert diese und was möchte man damit bezwecken?

Vor dem Hintergrund immer wieder aufflammender Diskussionen über die Integration muslimischer Jugendlicher in Deutschland, suchen Politiker Antworten. Zumeist erhoffen sie sich diese bei Migrantenorganisationen, Soziologen oder in wissenschaftlichen Studien zu finden, welche zuweilen unterschiedliche Bilder der Lebenswirklichkeit junger Muslime in Deutschland zeichnen.  Insgesamt wird der öffentliche Diskurs meist jedoch über die Köpfe der Jugendlichen hinweg geführt – es wird über, anstatt mit ihnen geredet.

Das Berliner Projekt JUMA, welches von den Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie getragen, und zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport koordiniert wird, setzt genau an diesem Punkt an.
Es hat zum Ziel,  jungen MuslimInnen eine Stimme zu geben und ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, ihre Sichtweisen, ihre Ideen und ihre Erwartungen an die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger zu artikulieren und heranzutragen. So wurde beispielsweise durch das Zusammentreffen der JUMA-Teilnehmer mit dem Mitglied des Bundestages Swen Schulz, einer Diskussionsrunde mit dem Islamkritiker Hamed Abdel Samed oder durch Besuche des Redaktionsstudios der Bild-Zeitung dieses Ziel verfolgt. Das Zusammenkommen stellt für beide Seiten ein Novum dar, ein Novum, welches längst überfällig ist. Durchweg werden bei diesen Treffen auch kritische Themen angesprochen und Positionen an die Partner herangetragen, welche zuvor von den Jugendlichen gemeinsam in Workshops erarbeitet wurden. Organisiert werden die Zusammenkünfte in Eigenregie, angeleitet durch in der Jugendarbeit erfahrene Paten, welche zumeist selbst Muslime, gut ausgebildet und engagiert sind und somit für die Jugendlichen eine Vorbildfunktion besitzen.

Die Unterstützung der Senatsverwaltung in Form der Bereitstellung eines Netzwerks an Kontakten macht es möglich, dass besonders prominente Diskussions- und Projektpartner für JUMA gewonnen werden können. Dieser für den Erfolg so maßgebliche Aspekt ist besonders Sawsan Chebli zu verdanken, Grundsatzreferentin und Projektverantwortliche im Berliner Senat.
Mit JUMA sollen vor allem fromme Jugendliche aus muslimischen Organisationen und Moscheevereinen erreicht werden um bei ihnen das Interesse an Partizipation in allen Gesellschaftsbereichen zu stärken. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich in Themengruppen wie Medien, Chancengleichheit, Identität und interreligiöser Dialog zu engagieren. Beispielweise organisierten sie interreligiöse Abende, komponierten zusammen mit anderen Religionsgemeinschaften Songs oder erschufen Kunstwerke, wie den „Common Future Turm“, welcher unter anderem auch im jüdischen Museum zu sehen war.
„Wir möchten den Teilnehmern zeigen, wie man durch Partizipation etwas in der Gesellschaft bewegen kann“, sagt Chalid Durmosch, Moderator in der Themengruppe „IDentity“, welche sich mit der Identität und dem Selbstbild junger Muslime in Deutschland befasst. „Dabei entwickeln wir entweder eigene Konzepte, welche wir beispielsweise innerhalb von Schulen umsetzen oder nehmen an bereits bestehenden Projekten anderer Organisationen wie von Greenpeace teil“. Besonders hilfreich für die Integration sei es, wenn man gemeinsam an bestehenden Problemen arbeitet um diese zu lösen.

Innerhalb der Themengruppen können die Jugendlichen anhand von zahlreichen Seminaren auch selbst viel dazu lernen. Sie werden für die Funktionsweise demokratischer Gesellschaften sensibilisiert, erlernen Aspekte der Öffentlichkeits- und Vereinsarbeit, erhalten Medien- und Rhetorikseminare und einen Einblick in die Funktionsweise der Lobbyarbeit. Die Erfahrungen und das Erlernte sollen dann von den Jugendlichen in die Moscheen zurückgetragen und dort für neue Projekte nutzbar gemacht werden. „Wir bilden Multiplikatoren aus“, fasst Chalid Durmosch eines der Ziele von JUMA zusammen.
Dabei beobachtet er, wie motiviert die Jugendlichen sich einbringen können, sobald man sie und ihre Sorgen und Probleme ernst nimmt. Sichtbar werden die Ideen und Vorschläge dann in medienwirksame Aktionen und Teilprojekte umgesetzt, die von der Öffentlichkeit  auch wahrgenommen werden. Dies ist auch ein weiteres Ziel des JUMA-Projektes laut Webseite: die Medien „mit Bildern demokratisch engagierter Muslime vertraut zu machen“, die sich in der Gesellschaft engagieren, Verantwortung übernehmen und einen Beitrag für ein friedliches Miteinander leisten.
So viel Engagement bleibt nicht ungewürdigt. So wurden 5 JUMA-Mitglieder stellvertretend für das Projekt vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff im Schloss Bellevue mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Damit erhält das Projekt die Aufmerksamkeit, die es verdient.

RAMSA wünscht JUMA weiterhin viel Erfolg und hofft, dass sich viele weitere muslimische Jugendliche in Deutschland von diesem Vorzeigemodell inspirieren lassen und den Weg einschlagen, den die JUMA Pioniere vorangegangen sind.