
Kolloquium „Muslime in Deutschland“
IHG Frankfurt
Dienstags, 16-18 Uhr, Campus Bockenheim, Juridicum Raum 404
Im vergangenen Jahr wurde in Feuilletons, Talk Shows, in populären und wissen-schaftlichen Publikationen, auf Tagungen und in Expertengremien darüber debattiert, ob der Islam mittlerweile, ebenso wie das Christentum und das Judentum, „zu Deutschland“ gehört oder ob Muslime ihren Status als ausgeschlossene Fremde nicht verlieren. Die von Thilo Sarrazin, Angela Merkel und Necla Kelek vertretene These, der Multikulturalismus sei gescheitert, bezieht sich vornehmlich auf Muslime.
Islamkritiker wie die genannten Personen, aber auch Islamwissenschaftler wie Tilman Nagel oder Christine Schirrmacher beschuldigen Muslime, die im Grundgesetz verankerte Gleichheit von Mann und Frau zu sabotieren, die Religionsfreiheit für antidemokratische Umtreibe zu missbrauchen, die Sicherheit in bestimmten Stadtvierteln zu gefährden und in Deutschland sukzessive die Scharia einführen zu wollen. Andere Wissenschaftler, Journalisten und Politiker, unter ihnen Patrick Bahners, der Feuilletonchef der FAZ, der Kulturanthropologe Werner Schiffauer und der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, werfen den Islamkritikern Rassismus und Panikmache vor und bezichtigen sie, durch das Schüren islamophobischer Vorurteile den sozialen Frieden aufs Spiel zu setzen. Jenseits der polarisierten Debatte sind seitens der Politik, der Vertreter religiöser Organisationen und verschiedener Bildungseinrichtungen eine Reihe von Foren wie die Deutsche Islamkonferenz oder interreligiöse Dialogrunden geschaffen worden, um den Austausch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu fördern und Lösungen für Probleme zu finden.
Im Rahmen des Kolloquiums sollen einerseits ethnographische Arbeiten über Muslime in Deutschland vorgestellt und Wissen über Muslime in Deutschland vermittelt, andererseits aber auch Konzepte und praktische Maßnahmen diskutiert werden, die der Multikulturalität Deutschlands Rechnung tragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf aktuellen Debatten und auf neuen theoretischen Ansätzen aus der Migrationsforschung.
Bei regelmäßiger aktiver Teilnahme und Anfertigung von Zusatzleistungen (z.B. eigene Recherche zu einem Thema, schriftliche Hausarbeit, Protokoll einzelner Veranstaltungen, Kurzpräsentationen) können Leistungsnachweise im Magisterstudiengang (GS 2, GS 4, HS 3-5) erworben werden.











