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Srebrenica

Von: Kaan Orhon
07.07.2017   |   In: Gedanken zum Freitag
Bismillah
„Nie wieder“ - Gedanke zum Freitag

Alija Izetbegović, der erste Präsident der Republik Bosnien-Herzegowina und einer der überragenden europäischen muslimischen Denker und Aktivisten sagte über den Massenmord in Srebrenica:

"Wer ist schuld? – Die größte Schuld tragen definitiv die Mörder und ihre Auftraggeber, aber wir sind alle schuld, wir alle Überlebenden, nur nicht die Opfer. Wenn etwas so Schreckliches passiert, wie Srebrenica, dann ist niemand unschuldig, jeder Mann und jede Frau ist schuldig, weil die Welt so ist, wie sie ist und weil so eine Welt möglich ist, in der Srebrenica möglich ist."
 
Der heutige Freitagsgedanke, am Freitag vor dem 22. Jahrestag des Massenmordes von Srebrenica, grauenhafter Höhepunkt des jahrelangen Völkermordes in Bosnien-Herzegowina ist nur eine Frage.

Nicht die Frage nach der Schuld, die der verstorbene große muslimische Denker Alija Izetbegović im vorangestellten Zitat meiner Ansicht nach zutreffend beantwortet.

Die Frage ist: wenn wir sagen, wenn wir beten - wie es auf der Gedenktafel auf dem Gräberfeld von Potočari heißt – dass Srebrenica niemals und niemandem mehr passieren möge, was ist dann unsere Aufgabe, unsere Verantwortung? Was können und was müssen wir tun, damit sich Srebrenica nicht wiederholt, an einem anderen Ort, für eine andere Gruppe von Menschen. Das ist eine Frage, die immer wieder aufs Neue gestellt und von jeder Generation aufs Neue beantwortet werden muss. Bisher waren die gefundenen Antworten leider unzureichend, denn, mit den Worten von Izetbegović, die Welt ist immer noch, wie sie ist. Sie ist immer noch wie sie war am 11. Juli 1995.

In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.
Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates
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