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Soziale Gerechtigkeit

Von: Kaan Orhon
19.01.2018   |   In: Gedanken zum Freitag
Bismillah
„Soziale Gerechtigkeit“ – Gedanke zum Freitag

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der sinngemäßen Übersetzung:

„Und nähert euch nicht dem Besitz des Waisenkindes, außer auf die beste Art, bis es seine Vollreife erlangt hat. Und gebt volles Maß und Gewicht in Gerechtigkeit. Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Und wenn ihr euer Wort gebt, dann seid gerecht, auch wenn es um einen Verwandten geht. Und haltet euren Bund gegenüber Allah. Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr bedenken möget!“ ((al-Anam:152))

In zeitgenössische Begriffe übertragen fallen einem vielleicht gleich drei Themen ein, die für uns heute in wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen immer noch eine bedeutende Rolle spielen, die auch heute noch ungelöste Probleme darstellen:

Ausbeutung, die Übergriffe des Stärkeren auf den Schwächeren und die ungerechte Bereicherung an seinem Besitz, die Vorenthaltung seiner (oder ihrer) Rechte. Das kann zwischenmenschlich sein, etwa durch einen Arbeitgeber gegenüber seinen Angestellten, oder aber sich auch auf die Beziehung zwischen Staaten erstrecken. Etwa wenn Regierungen und Firmen Bodenschätze, Fischgründe oder dergleichen ausbeuten und jene, die mehr Anrecht darauf hätten, aufgrund ihrer politischen Ohnmacht zusehen müssen, wie ihnen ihre Lebensgrundlage geraubt wird.

Betrug und Manipulation, das Verfälschen von Informationen, dass Täuschen von Kunden, von gefälschter Ware über verunreinigte Lebensmittel bis zu den Manipulationen eines erfolgreichen internationalen Konzerns wie VW: es ist niemals genug, was eingenommen wird, so sehen es die Verantwortlichen. Wenn man etwas weniger Geld ausgeben kann, um etwas zu produzieren, oder mehr Geld verlangen kann, wenn man etwas verkauft, dann wird alles dafür getan. Der Gewinn muss steigen, der eigene Wohlstand soll wachsen, dem wird alles untergeordnet.

Vetternwirtschaft; die eigenen Verwandten oder sich Verbundenen gegenüber anderen bevorzugen, ihnen zu etwas verhelfen, wozu sie nicht befähigt oder berechtigt sind. Weit davon entfernt, ein Teil der von Allah verordneten Hilfe für den Verwandten oder Pflege der Familienbande zu sein, ist dies ein Vergehen zum Schaden aller, und meist in Wahrheit auch wieder ein Dienst des Mächtigen, der in der Position ist, Dinge zu vergeben, an sich selbst.
Das Wesen der Menschen ändert sich nicht, nicht wirklich. Was Allah, der Erhabene in der Offenbarung uns zu bedenken gibt, ist – immer in seiner zeitgebundenen Form und Erscheinung – heute noch ebenso relevant wie an dem Tag, da es herabgesandt wurde.

Wenn wir heute etwa über die Lieblingsthemen aller Orten sprechen, Terrorismus, Krieg und Migration, dann etwa täte man gut, auch die Frage nach der Gerechtigkeit zu bedenken und zu beachten, denn wo die Gerechtigkeit fehlt, nehmen Wut und Verzweiflung ihren Platz ein.

In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates.