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Nicht wegsehen

Von: Kaan Orhon
01.12.2017   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah
„Nicht wegsehen“ – Gedanke zum Freitag

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der sinngemäßen Übersetzung:

„Denn nicht die Blicke sind blind, sondern blind sind die Herzen, die in den Brüsten sind.“
((al-Hajj:46))

Es wird kälter, und nicht wenige von uns sind sicher dankbar für jeden Grund, nicht aus dem Haus gehen zu müssen. Es gibt aber viele Menschen, die kein zu Hause haben. Wenn wir doch aus dem Haus müssen, dick eingepackt in Mantel und Handschuhe und Mütze, dann können wir sie sehen, in jeder Stadt. Wenn wir nicht den Klick abwenden und unser Herz nicht blind ist für das Leid unmittelbar vor uns.

Gott sei Dank sind es viele nicht, sie sind Jahr um und ganz besonders in dieser Zeit unter den Menschen, die auf der Straße leben. Manche haupt- und manche ehrenamtlich, doch ihr Einsatz ist in jedem Fall mit keinem materiellen Lohn aufzuwiegen.

Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Freude, dass auch unter unseren Hochschulgruppen auch in diesem Jahr wieder einige sind, die sich zum Ziel gesetzt haben, gemeinsam etwas zu geben, und sich unter jene einzureihen, die denen helfen, denen es weniger gut geht als uns.
Möge Allah, der beste Versorger, ihnen besseres geben, als was sie gaben, möge er sie im Diesseits und im Jenseits mit dem Besten belohnen.

Und möge Er die Herzen aller anderen rühren, es ihnen gleich zu tun. Dabei ist nicht nötig, dass jeder einzelne Pakete, Kleider und Decken zu den Menschen bringt. Jeder nach seinen Möglichkeiten, nach Zeit, Kraft, Geld etc.

Die erste Gabe, die dabei ein jeder von uns geben kann, ist Achtung. Achtung für die Würde der Bedürftigen, wenn wir sie sehen, mit ihnen sprechen, an ihnen vorbei gehen. Jeder dieser Menschen, ob jung oder alt, Mann oder Frau, kam in diese Welt wie wir, geschaffen von demselben Schöpfer.
Wir wissen nicht, welchen Weg ihr Leben genommen hat, dass sie uns in dieser Situation begegnen. Und selbst wenn wir es wüssten, selbst wenn wir bestimmte Dinge wie den Konsum von Alkohol oder Rauschmitteln, der vielleicht manche Menschen, die auf der Straße leben, betrifft, so erlaubt uns nichts, auf sie herab zu sehen. In diesem Zusammenhang sei auch noch an den heutigen Welt-AIDS-Tag erinnert, auch diese Krankheit ist etwas, was den Hochmütigen sich angewidert abkehren lässt von Menschen, die er als unter sich stehend empfindet.

Allah ist der Erhöher der Demütigen und auch der Erniedriger der zu Unrecht stolzen. Möge Er uns davor bewahren, das, was wir haben als Selbstverständlichkeit anzusehen. Die Möglichkeit jeden Tag ausreichend zu essen, saubere Kleider, Medizin für unsere Leiden, Wärme, Sicherheit, ein Heim, eine Familie, sind keine Selbstverständlichkeit, auch in unserem Land und unserer Gesellschaft nicht.
In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates