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Mit eigener Hand

Von: Kaan Orhon
31.03.2017   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah
„Mit eigener Hand“ – Gedanke zum Freitag

Der Gesandte Allahs – Segen und Frieden auf ihm – sagte:

„Niemals hat einer etwas Besseres verzehrt als eine Nahrung, die er aus dem Arbeitslohn seiner Hände erwarb. Und David, der Prophet Allahs, Allahs Friede auf ihm, ernährte sich von dem Arbeitslohn seiner Hände.“

[Sahih al-Buchari, Kapitel 32/Hadithnr. 2072]

Diese Überlieferung ist eine schöne Erinnerung an einen jeden von uns in einer Zeit, da Arbeit immer weniger gewürdigt wird und es im Gegenteil als Ideal erscheint, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ja sogar zu Wohlstand zu gelangen, möglichst ohne zu arbeiten. Dies offenbart sich in verschiedenen Versionen, von „Ich werde Superstar“ bis zu „Ich vertraue auf Allah, meine Versorgung kommt von ihm“.
Letzteres ist zwar natürlich korrekt, aber auf einer gänzlich anderen Ebene als es heute leider manchmal verstanden wird.

Allahs Versorgung ist der Lohn für ehrliche Arbeit. Und dies ist die beste Versorgung.
Sicher, es ist zuweilen eine Prüfung, an diesem Prinzip festzuhalten. Wer Zeuge wird, wie Menschen durch kriminelles Handeln, durch Ausbeutung anderer oder durch Tätigkeiten ohne Wert zu Wohlstand oder sogar zu obszönem Reichtum kommen, dessen Vertrauen auf den Lohn für das Werk seiner Hände, kann auf eine harte Probe gestellt werden.
Doch das Leben bringt eben Prüfung wie Belohnung, Bedrängnis wie Erleichterung, so ist es in jedem Bereich des Lebens ohne Ausnahme.

Noch eine Bemerkung vor allem für die Studierenden, die Akademikerinnen und Akademiker unter uns: in einer Zeit wo alle Lebensbereiche und auch Arbeitsfelder immer stärker akademisiert werden, wo so viel über Eliten zu hören ist, ist es gut, sich immer wieder einmal vor Augen zu führen, welche Bedeutung Arbeit abseits der gesellschaftlichen Ideale für uns alle hat. Angefangen mit der direktesten Lesart der obigen Überlieferung: die Nahrung die wir verzehren, ohne die wir nicht leben können – wie sehen wir jene an, die sie erzeugen? Egal, ob in Deutschland oder im Ausland – welchen Stellenwert haben Landwirte, haben Arbeiterinnen und Arbeiter auf Feldern oder in Fabriken, die Männer und Frauen die im Discounter, auf dem wir auf dem Weg zur Uni einkaufen, die Regale auffüllen. Die Menschen, ohne die die Städte voller Manager und Juristinnen, Graphikdesignerinnen und IT-Spezialistinnen verhungern müssten.

Welchen Wert messen wir den Menschen und ihrer Arbeit bei, die Abfall entsorgen, Gebäude reinigen oder die Kanalisation instand halten? Tätigkeiten, über die die meisten von uns nicht all zu intensiv nachdenken möchten, ohne die unsere Gesellschaft aber nicht lebensfähig ist.

In diesem Sinne wünscht euch der Vorstand des RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates.