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Knapp daneben ist auch vorbei

Von: Kaan Orhon
17.03.2017   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah

„Knapp daneben ist auch vorbei“ – Gedanke zum Freitag
Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der sinngemäßen Übersetzung:

„Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre (die schlechte Tat) ab, mit einer Tat, die besser ist…“
((Fussilat:34))

Kollektives Aufatmen: die Wahlen in den Niederlanden haben nicht wie befürchtet einen menschenfeindlichen Populisten auf dem Rücken ebenso hysterischer wie plumper Parolen in die Hallen der Macht gebracht. Die von manchen befürchtete, von anderen gewünschte Kette von Wahlerfolgen dieser politischen Strömung hat schon mit dem zweiten Glied einen Riss bekommen.

Es wäre aber nichts falscher, nichts potentiell schädlicher, als sich nun zurück zu lehnen und darauf zu vertrauen, dass es auch mit den weiteren Wahlen in der Welt so läuft. Darauf zu vertrauen, dass irgendwie schon der gesunde Menschenverstand obsiegen und den politischen Extremen den Weg zur Herrschaft verwehren wird, ohne dass man selbst etwas tun muss.

Die Abwehr von menschenfeindlichen Ideologien, von Populismen und Extremismen jeder Couleur verlangt den dauerhaften und aktiven Einsatz jeder/s Einzelnen. Mit abwarten und hoffen, dass es gut geht, oder aber das, wenn es schief geht, es „schon nicht so schlimm“ wird, ist es nicht getan.

Erst das Kamel anbinden, dann auf Allah vertrauen.

Und es genügt ebenfalls nicht, nur zu wissen und zu sagen, wogegen man ist. MuslimInnen sind gemeinsam mit allen gefordert, Visionen und Konzepte zu entwickeln. Visionen einer Gesellschaft, in der die Rechte und die Würde jeder/s Einzelnen geschützt werden.

Nicht nur durch den Staat, in dem wir dazu beitragen, dass wir eine Regierung haben, die diese Rechte und Würde nicht selbst aktiv verletzt, so wie es in allzu vielen Staaten der Erde der Fall ist.

Nein, auch die AkteurInnen der Zivilgesellschaft, jede/r von uns ist gefordert, diesen Schutz für den/die Einzelnen mit zu gewährleisten, so wie wir im Fall der Fälle auf diesen hoffen, diesen einfordern würden.

Arbeit im RAMSA bedeutete immer die klare Absage an die Idee von „MuslimInnen mit MuslimInnen für MuslimInnen“ und der Rest kann sehen, wo er bleibt. Arbeit im RAMSA bedeutet, wir als MuslimInnen auch untereinander unseren eigene Vielfalt anerkennend, mit allen, die guten Willens sind, für das Wohl und die Würde aller, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Dies ist die Vision einer inklusiven Gesellschaft.

In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates.