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Der engste Kreis

Von: Kaan Orhon
13.10.2017   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah
„Der engste Kreis“ – Gedanke zum Freitag

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der sinngemäßen Übersetzung:

„Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen und zu den Eltern gütig sein sollt. Wenn nun einer von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sag nicht zu ihnen: „Pfui!“ und fahre sie nicht an, sondern sag zu ihnen ehrerbietige Worte.“ ((al-Isra:23))

Der Gesandte Allahs – Segen und Frieden auf ihm – sagte: „Das Paradies liegt zu Füßen der Mütter.“
(An-Nasaaíi und Ibn Maajah)

Wir suchen das Paradies auf so vielen Wegen, zu viele vor allem junge Menschen suchen es sogar auf Wegen, die sie am Ende ins Verderben führen. Dabei hat uns unser Prophet – Allahs Segen und Frieden auf ihm – gezeigt wo es liegt.

Allein, wir tun uns manchmal schwer, das Naheliegende anzunehmen anstatt das Fernliegende zu verfolgen.
Wenn wir versuchen wollen, im Sinne unseres Glaubens den Menschen zu helfen, die Welt zu verbessern und für unser Jenseits Gutes zu erwerben, sollten mir mit dem und denen beginnen, die uns am nächsten sind. Wir sich dessen ernsthaft und aufrichtig annimmt, wird feststellen, was für eine ausfüllende aber auch erfüllende Aufgabe dies ist.
Die Welt um uns herum besteht aus vielen Kreisen, immer einer weiter als der vorige, und wer die Welt verbessern will, der sollte dabei von innen nach außen vorgehen. Die Familie, die Nachbarn, das Viertel, die Stadt, das Land und immer so fort.

Manche denken scheinbar, das sei eine Selbstverständlichkeit. Jedes Jahr um den Muttertag lese ich mindestens ein oder zwei Verlautbarungen in sozialen Medien in etwa folgenden Inhalts: „Wir Muslime brauchen keinen besonderen Tag, um an unsere Mütter zu denken. Bei uns ist jeder Tag Muttertag.“ Wie schön wäre es, wenn die Realität auch so aussehe.

Tatsächlich sieht die Realität so aus, dass Muslime in dieser Beziehung nicht anders sind als alle anderen Menschen auch. Viele durchleben eine Phase in der Entwicklung, in der man glaubt, alles besser zu wissen als die Eltern. Viele finden sich in einer Zeit immer größerer sozialer wie auch geographischer Mobilität irgendwann in ihrem Leben weit entfernt von ihren Eltern wieder. Und dann merken wir, dass es uns schwer fällt, so für unsere Eltern da zu sein, wie wir sollten und wollten. So, wie sie vielleicht für uns da waren.
Der Volksmund sagt nicht umsonst: „Eine Mutter kann für 10 Kinder sorgen, aber 10 Kinder nicht für eine Mutter.“

Der Fortschritt, welcher Menschen, Familien in mancher Hinsicht voneinander entfernt, bringt auch Mittel sie zu verbinden. Wo Briefe früher Tage und Wochen brauchten, kann man heute von allen Ecken der Welt miteinander in Echtzeit kommunizieren, kann einander sehen und hören. Doch nicht die Mittel entscheiden, ob wir verbunden bleiben, wenn wir weit entfernt von unseren Eltern leben, arbeiten oder studieren. Entscheidend ist unser Denken und Fühlen.
Wenn wir unsere Mutter ansehen, an sie denken, ahnen wir das Paradies. Fühlen wir das Sehnen nach unseren Eltern, wenn wir von ihnen getrennt sind, so als fehlte uns ein Teil von uns selbst.

Und ein letzter Gedanke: wenn es uns bestimmt ist, wenn wir mit der Gnade beschenkt werden, eine Familie zu gründen und ein langes Leben zu führen, wie werden unsere Kinder uns achten und für uns da sein? Auch das liegt zu einem nicht geringen Teil bei uns. Wenn wir sie richtig, mit Liebe und Achtung, erziehen, dann wird dies mit Allahs Erlaubnis im Alter zu uns zurückkommen.

In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates