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Am Ende aller Dinge

Von: Kaan Orhon
03.03.2017   |   In: Gedanken zum Freitag

Bismillah
Am Ende aller Dinge – Gedanke zum Freitag

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der ungefähren Übersetzung:

„Jede Seele wird den Tod kosten; zu Uns werdet ihr dann zurückgebracht.“ ((Al-'Ankabut:57))

Wir werden alle sterben. Was sich, wenn man es sagt, immer etwas dramatisch anhört ist einfach eine Tatsache menschlichen Seins, so war es immer und so wird es immer sein. In dieser Angelegenheit sind wir alle gleich. Auch und gerade jene, die durch die Gnade unseres Herrn mit bestimmten Dingen ausgezeichnet sind, tun gut daran, dies zu bedenken.

Mal auf die RAMSA Arbeit bezogen: wir, die Studentinnen und Studenten, die Akademiker, jung, aktiv, gut ausgebildet und so weiter und sofort, sind allen anderen gleich. Mit all unseren Ideen und Projekten, mit unseren Studien und wissenschaftlichen Publikationen, mit unseren Konferenzen und Veranstaltungen, mit unseren Förderungen und Iftar-Terminen, mit diesem und jenem zerfallen wir am Ende doch zu Erde. Zu der gleichen Erde wie die Männer und Frauen, die auf der Straße leben und an denen wir heute auf dem Weg zur Uni oder zur Moschee vorbeigegangen sind. Zur gleichen Erde wie Bauern und Handwerker, wie Politiker und Prominente, wie Geflüchtete und Bedürftige. Zu der Erde, aus der wir alle durch den Willen des gleichen Schöpfers ursprünglich einmal hervorgegangen sind.

Wenn uns das bewusst ist, was folgt dann daraus? Dass das alle am Ende nichts bedeutet, weil alles vergänglich ist? Sicher nicht. Das Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens, zu allererst des Eigenen, sollte nie entmutigen. Es soll nicht in einen Zustand permanenter Angst führen, die lähmt und Kraft und Aspiration verkümmern lässt.
Zwischen dem Wegschieben, dem Verleugnen des Todes auf der einen und der Angst und Mutlosigkeit im Angesicht des Selben liegt ein Mittelweg, und wie in den meisten Dingen führt er am weitesten.

Hoffnung sollte die Furcht immer überwiegen, wie al-Ghazali sagte. Hoffnung und Vertrauen sollen die Arbeit leiten, sollen uns in dem, was wir tun motivieren, und eben gerade, weil wir um unsere eigene Vergänglichkeit wissen, sollen wir uns mit umso mehr Hingabe und auch Freude an das machen, was wir tun, an die Aufgaben, die uns gestellt werden.

Ob das was wir tun einen Wert und wie groß dieser ist, dass zeigt in vielen Fällen die Zeit. Werden wir wieder konkret in eigener Sache: ob Arbeit an Projekten bei RAMSA oder bei anderen Projekten, die in der jüngeren Vergangenheit entstanden sind und den Anspruch haben, nachhaltig zu wirken – das Avicenna Studienförderungswerk ist da immer ein Beispiel, das mir in den Sinn kommt – sich gelohnt hat, sieht man, wenn sie auf der Waage von Jahren, Jahrzenten, Generationen gewogen werden. Im Falle von Generationen von Studenten sind die Zeiträume etwas kürzer, aber in jedem Fall ist zu möglich, dass die großen Früchte erst dann geerntet werden, wenn die, die gesät haben, schon nicht mehr da sind. Bezogen auf das Projekt, oder aber auch in dieser Welt – keiner von uns kennt die Spanne, die ihm zugeteilt ist.

Aber wer aufrichtiger Absicht ist, den entmutigt dies nicht, im Gegenteil, es freut und erfüllt, Arbeit und Verantwortung an neue Generationen zu übergeben, in jüngere, stärkere Hände zu legen und mit Hoffnung auf die letzte Heimkehr blicken zu können.

In diesem Sinne wünscht euch der Vorstand des RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates