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Abdul Sattar Edhi

Von: Kaan Orhon
21.07.2016   |   In: Gedanken zum Freitag

إِنَّا للهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ

 

„Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist.“

 

Am 8. Juli verloren die Muslime, verlor die Welt einen großen Menschen. Im Alter von 88 Jahren starb Abdul Sattar Edhi in Karachi. In dieser Stadt, in die er als Flüchtling nach der Teilung Indiens kam, begann sein Engagement für arme und sozial benachteiligte Menschen, ein Einsatz, der sich über fast sechs Jahrzehnte und erst über ganz Pakistan und dann über weite Teile der Welt erstreckte.

 

Er baute aus eigener Kraft ein Netzwerk karitativer Einrichtungen auf, das größte in Pakistan. Er widmete sich verlassenen Kindern und Waisen, Armen und Menschen mit Behinderung. Seine Organisation bildete Krankenschwestern aus, unterhielt Ambulanzen und Suppenküchen, Waisenhäuser und Kliniken.

 

Jene, die ihn kannten, belegten ihn mit verschiedenen Namen, er wurde als der größte lebende Humanist bezeichnet, als „reichster armer Mann der Welt“ und als „Vater Theresa“.

 

Allein - wie viele kannten seinen Namen bevor er verstarb? In Pakistan war er zu recht bekannt, nicht zuletzt den Menschen, denen seine Organisation geholfen hat und noch immer hilft. Aber darüber hinaus?

 

Er lebte ein bescheidenes Leben, und größerer persönlicher Ruhm wäre ihm vielleicht gar nicht recht gewesen. Und doch, es wäre gut gewesen, zu seinen Lebzeiten sein Werk bekannter zu machen und wäre erst recht jetzt wünschenswert, da er diese Welt verlassen hat.

 

„Tue Gutes und rede darüber“ sagt der Volksmund. Allah, der Erhabene sagt im Quran: „So wetteifert miteinander in guten Werken.“

Das Wetteifern der Religionen und der einzelnen Menschen sollte so aussehen wie das Lebenswerk von Abdul Sattar Edhi und das des ebenfalls kürzlich verstorbenen Rupert Neudeck.

 

Doch öfter, zu oft führen wir die Namen und verachtenswerten Werke anderer Menschen im Munde. In diesen Tagen sprechen wir viel von den so hasserfüllten und dabei so leeren Worten, die bestimmte islamfeindliche Politiker unablässig von sich geben und viel vom abartigen Schlachten selbsternannter Verteidiger des Islam, mit dem diese die gesegneten letzten Tage des Monats Ramadan befleckten.

 

Unterdessen ist ein Mann, der viele wertvolle Werke getan hat, still und weitgehend unbemerkt zu seinem Schöpfer heimgekehrt. Es war sein Wunsch, dass nach seinem Tod seine Organe gespendet werden sollen, um selbst nach dem Verlassen dieser Welt zu helfen. Aufgrund seines hohen Alters und Gesundheitszustandes kamen nur seine Netzhäute in Frage. Der Gedanke ist schön, dass er mit diesem Geschenk nach seinem Tode noch einen Menschen wieder sehen lässt. Noch schöner ist die Hoffnung, dass nun, da seine Augen für immer geschlossen sind, noch mehr Menschen die Welt mit seinen Augen sehen werden.

 

Möge Allah, der beste Erbarmer, ihm zum Lohn für dieses Geschenk und all seine Werke das Grab weit und hell erleuchten und ihn in Sein Paradies eintreten lassen.

„Denen, die Gutes tun, soll der beste Lohn werden, und noch mehr. Weder Dunkel noch Schmach soll ihr Antlitz bedecken. Sie sind die Bewohner des Himmels; darin werden sie ewig weilen.“ ((Yunus:26))

Foto: Founder of Edhi von Hussain unter CC BY-SA 3.0