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1.000 Tage

Von: Kaan Orhon
22.12.2017   |   In: Gedanken zum Freitag
Bismillah
„1.000 Tage“ – Gedanke zum Freitag

 
Der Gesandte Allahs – Segen und Frieden auf ihm – sagte:
„Der Muslim ist des Muslims Bruder. Ihn darf er weder unterdrücken noch zugrunde gehen lassen. Wer seinem Bruder in der Not beisteht, dem steht Allah in seiner eigenen Not bei.“
(Sahih al-Bukhari)
 
Tausend Tage Krieg im Jemen. Der tausendste Tag ist nicht schlimmer als der 999. Oder 1001., doch es sind nun einmal die symbolischen Zahlen, die uns aufmerken lassen, wenn wir sie lesen oder hören.

So lasst uns den angesichts der 1.000 Tage an die Menschen des Jemen denken und uns einige Fragen stellen.
10.000 Menschen sind tot, ungezählte auf der Flucht. Eine Million Menschen ist an Cholera erkrankt. Bis zu 8 Millionen droht Hunger. Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen bezeichnen die Lage im Jemen als die schlimmste humanitäre Katastrophe weltweit.

Wieso ist das Echo darauf so gering? Die Stimmen, die zuverlässig die Luft- und Drohnenangriffe von USA und NATO in Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Somalia verurteilen, schweigen mehrheitlich zum Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung des Jemen. Trumps heiße Luft in Sachen Jerusalem treibt Menschen auf die Straße – das Leid der Menschen im Jemen sollte es auch und um ein vielfaches mehr.

Wie oft ist angesichts der internationalen Kampagne gegen Daish in Syrien und im Irak gesagt worden, es reiche nicht, einfach immer noch mehr Länder zu suchen, die Flugzeuge schicken um diese Länder zu bombardieren. Es müsse eine politische Lösung her, die Gruppen wie Daish-Nusra die Grundlage entzieht etc. Das ist richtig, gilt aber ebenso für den Jemen.

Der Krieg, der dort geführt wird, ist an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten. Die reichsten arabischen Länder haben sich zusammengetan, um das ärmste arabische Land mit Bomben zu überschütten. Und wenn sich überraschenderweise durch die Bombenkampagne nichts ändert, dann liegt die sichere Lösung darin, noch mehr Bomben abzuwerfen… Weltkulturerbe wird zerstört, Seuchen breiten sich aus, weil Wasserwerke und Kläranlagen zerstört sind, Menschen sterben und der Jemen geht still zugrunde.

Wie werden wir also der im Hadith am Anfang formulierten islamischen Plicht gegenüber unseren Brüdern und Schwestern gerecht? Diese Frage möge jeder von uns für sich selbst beantworten. Ehrlich, und mit der Absicht zu handeln.

In diesem Sinne wünscht euch der RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

Heute von: Kaan Orhon, Islamwissenschaftler aus Göttingen und Mitglied des Ältestenrates
 
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