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Tagungsbericht zur Tagung des RAMSA Netzwerkes für muslimische Lehrerinnen und Lehrer (NeLe) in Bielefeld

28.09.2014   |   In: Fachgruppen

Am 17.5.2014 fand an der Universität Bielefeld die erste bundesweite Tagung für (angehende) muslimische Lehrerinnen und Lehrer statt. Bei der Tagung kamen rund 60 (angehende) LehrerInnen und Interessenten aus unterschiedlichen Bundesländern zusammen, um sich zu informieren, vernetzen und auszutauschen. Die Tagung wurde eröffnet mit einem Grußwort des RAMSA Präsidenten Bacem Dziri, in dem er deutlich machte, dass die interdisziplinäre Arbeit der Studierenden und AkademikerInnen im Rat besonders zu forcieren sei, um sich aktuellen Herausforderungen stellen zu können. „Unter den diversen Fachgruppen, die sich momentan im RAMSA bilden, haben wir uns heute für das Netzwerk der LehrerInnen versammelt. Dieses Treffen hat eine existenzielle Bedeutung, da es ein erster Schritt ist, die Kompetenzen muslimischer LehrerInnen zu bündeln. Mit NeLe soll eine Anlaufstelle geschaffen werden, die mit dem RAMSA begleitet wird.“ So die Worte von Bacem Dziri, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Islamische Theologie  (IIT) in Osnabrück. Dem folgten ein Key Note Vortrag von Annett Abdel-Rahman und eine emotionale und berührende Vorstellung der beiden Netzwerkkoordinatorinnen. Annett Abdel-Rahman ist Lehrerin an der Drei-Religionen-Grundschule (Deutsch und Islamunterricht) sowie Lehrbeauftragte am IIT in Osnabrück und an der Universität in Kassel für den Bereich Fachdidaktik. Neben ihrer Tätigkeit als Vorsitzende der Kommission für das Kerncurriculum Islamischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe I ist sie zudem Autorin von Schulbüchern (Lehrwerk Bismillah) und führt Kinderprojekte zum Islam.

Ein Ausschnitt aus der Key Note von Annett Abdel-Rahman:

 „…Für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Eltern war das Kopftuch schon bald kein Problem. Hauptsache die Deutschnoten stimmten!“ Annett Abdel-Rahman teilte den Gästen ihre persönliche Erfahrung im Referendariat mit, welches sie als keine einfache Zeit beschrieb.
„…Damals gab es keinerlei Anlaufstellen, außer dem eigenen Freundeskreis oder der Familie. Dies bedeutete kein emotionaler Austausch mit jemandem, der diese Situation nachvollziehen kann. Keine Anlaufstelle zu haben bedeutet auch, keinen pädagogischen oder fachlichen Austausch mit jemandem zu haben, der vielleicht sagen kann, wo eine Nische ist, wo man trotzdem arbeiten kann. Es gab auch keine juristische Beratung, die einem gesagt hätte: „Das musst du dir gar nicht gefallen lassen!“… Es ist nicht einfach, seine Motivation kontinuierlich zu stärken, sich juristisch zu informieren und auch immer wieder Mut zu sammeln. Dies kann unendlich mühsam und kräftezehrend sein – Kann einen Menschen traurig und mutlos machen…“
Diese Erfahrungen, so Annett Abdel-Rahman, die auch gewiss andere mach(t)en, unterstreichen die Bedeutung von NeLe.

„Da das Netzwerk sich an muslimische LehrerInnen richtet, wird sich das Themenspektrum weit über das des Kopftuches hinausbewegen. Es sollte zum Beispiel auch ein Forum werden für muslimische BerufsschullehrerInnen, die möglicherweise auch junge Muslime unterrichten, die Orientierung suchen, aber damit überfordert sind, diese zu unterstützen. NeLe kann ein Forum werden für Mathematik- und PhysiklehrerInnen, die nicht unbedingt immer gerne als professionelle Muslime wahrgenommen werden möchten, das aber tatsächlich sind, und Hilfe suchen. […]“

„Eine Plattform sein für fachwissenschaftlichen und alltagsnahen Austausch. Informationsbörse für juristische Fragen und Entwicklungen in einzelnen Bundesländern. Es sollte aber auch ein Raum sein, der emotionale Unterstützung bietet.
NeLe sollte auch ein Motor sein zur Information und zur Stärkung. Mut zu haben, neue Wege zu finden… Es ist wichtig, dass wir gemeinsam Lösungsstrategien für alle entwickeln. Einzellösungen können einer Person helfen, aber den anderen Betroffenen ist damit nicht geholfen. Ich wünsche mir mit Allahs Hilfe, dass wir uns in zehn Jahren in einem viel viel größeren Hörsaal treffen und draußen bei einem Kaffee in der Pause stehen und uns erzählen: „Weißt Du noch, wie wir damals so viel über das Kopftuch diskutiert haben? Das ist schon so lange her und heute sagt keiner mehr etwas dazu.“

Anschließend begaben sich die TeilnehmerInnen in die vorgesehenen Workshops. Insgesamt wurden drei Workshops angeboten.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Workshop A: 

"Das Kopftuch und die Landesgesetze - Ein Überblick"
  In dem Workshop gab es einen kurzen Überblick über die landesrechtlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer zum Kopftuch. Ebenfalls wurden die Entstehungsgeschichte, der Inhalt und die Begründung der Gesetze kurz vorgestellt. 

Workshop B:
  "Intersektionelle Diskriminierung im Namen der Neutralität - Kein Platz für muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch an deutschen Schulen?"
  In diesem Workshop ging es um das Konzept der Intersektionalität aus der Geschlechterforschung, das versucht, die verschiedenen Achsen der Ungleichheit zusammenzudenken. Es wurde ein Überblick über Forschung und Theorie gegeben insbesondere im Hinblick auf die Kopftuch-Debatte in Deutschland. Dabei wurden unsichtbare Exklusionsprozesse sichtbar gemacht und gesellschaftliche Auswirkungen, mögliche Lösungswege, Ideen und konstruktive Projekte diskutiert, die gemeinsam in der Zukunft umgesetzt werden sollen.

Workshop C:
"Muslimische Kinder in der Schule - häufige Fragen und mögliche Lösungen"  

Die Referentin erläuterte die praktischen Folgen und Hintergründe bei Grundrechtskollisionen u.a. bei Klassenfahrten, beim Schwimm- und Sportunterricht etc. Diese wurden von den TeilnehmerInnen rege diskutiert. Dabei gab es auch den einen oder anderen Impuls für viele angehende muslimische Lehrkräfte.
Beim abschließenden Kolloquium wurden mehrere Impulse seitens der TeilnehmerInnen gegeben, um das Netzwerk voranzubringen. Erfreulich war die aktive Teilnahme der Anwesenden, die auch die Zuständigen des Projektes aufs Neue motivierte.

Für diejenigen, die sich während der Tagung schon bereit erklärten, NeLe aktiv mitzugestalten, besteht nach wie vor die Möglichkeit, sich unter nele@ramsa-deutschland.org zu melden.

Hast Du bereits eine Projektidee und möchtest eine NeLe-Gruppe in deiner Stadt gründen? Dann schicke uns deinen Entwurf für eine projektbezogene Zusammenarbeit an  nele@ramsa-deutschland.org!


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Projektgruppen
September 2014

Was sind NeLe-Projektgruppen?

NeLe-Projektgruppen sind kleine Arbeitsgruppen, die sich mit jeweils unterschiedlichenThemenkomplexen rund um „muslimische LehrerInnen in Deutschland“ beschäftigen.Die Teilnahme an einer Projektgruppe eröffnet Dir eine Reihe an Chancen und Möglichkeiten: Zum Beispiel, Dich bundesweit mit Interessenten auszutauschen und gemeinsam an Eurer Vision zu arbeiten! Deine Projektgruppe ist somit auch Deine Plattform, wo Du Dich selbst entfalten, diese gestalten und nach außen tragen kannst. Gleichzeitig gehst Du im Gegenzug auch Verpflichtungen im Hinblick auf Vertraulichkeit sowie auf die Verbindlichkeit Deiner Teilnahme über die gesamte Projektlaufzeit ein, deren Anerkennung bindende Voraussetzung für alle TeilnehmerInnen ist.
Die Projektgruppen dienen in erster Linie dazu, am Diskurs teilzuhaben und diesen positiv mitzugestalten. Ebenso dienen die Projektgruppen dazu, Menschen zu sensibilisieren, konstruktive Lösungsvorschläge anzubietenbzw. eine Plattform zu schaffen, am jeweiligen Themenkomplex gemeinsam zu arbeiten. Je nach Kompetenzen, welche die Projektgruppe mitbringt, kann die Umsetzung dieser Ziele unterschiedliche Formen einnehmen. Hier wirdDeiner Kreativität keine Grenzen gesetzt!

1.1. Interne Ziele

  • Projektgruppenmitglieder lernen sich kennen. Kompetenzbereiche werden vorgestellt.
  • Erste Annäherung an die Thematik durch zum Beispiel Basisliteratur für alle; evtl. inhaltliche (fachspezifische) Einigung auf und Festlegung von Definitionen für ein einheitliches Verständnis von Begrifflichkeiten, mit denen in der Zukunft operiert werden soll.
  • Jede Projektgruppe stellt gebündelte Kompetenz dar, die auf unterschiedlichen Ebenen arbeiten.

1.2. Externe Ziele

  • Die externen Ziele orientieren sich an den oben eingeleiteten Grobzielen. Folgende Fragen können dabei behilflich sein: Wie können wir dazu beitragen, dass Menschen auf diese Thematik aufmerksam werden? Welchen Lösungsvorschlag bieten wir als Projektgruppe an? In welcher Form können wir uns am Diskurs konstruktiv beteiligen?

Wie sind Projektgruppen aufgebaut?

Projektgruppen bestehen in der Regel aus einem Kernteam und weiteren Interessenten. Das Kernteam kann aus 2 bis zu 5 Personen bestehen. Das Kernteam gibt den Rahmen und den Handlungsspielraum fest. Das Interessenten-Team („HelferInnen-Team“) kann beliebig groß sein. Diese helfen lediglich bei der Ausführung des vom Kernteam beschlossenen Projektes mit. Das Kernteam kann sich bundesweit formatieren und muss nicht notwendigerweise aus einem Ort sein.
Im Kernteam wird mindestens eine Person AnsprechpartnerIn für das Team NeLe sein.

Zeitplan
Die Arbeit in den Projektgruppen basiert auf ehrenamtliche Arbeit. Es sind regelmäßige Skype-Konferenzen und die Erstellung eines gemeinsamen Ordners vorgesehen, wo Protokolle, Materialien etc. gesammelt werden. Ein Projekt kann sich über einige Wochen oder Monate strecken (je nach Bedarf) – ist jedoch temporär. Die Kerngruppe kann sich ändern, erweitert oder verkleinert werden.

Inhalte
Die Inhalte der Projektgruppen werden in einem Dropbox-Ordner gesammelt. Diesem Ordner wird eine Person aus dem NeLe-Team Zugriff haben. Die Inhalte können, wenn einzelne Personen das Projekt verlassen, den NachfolgerInnen zur Verfügung gestellt werden.

Voraussetzungen
Viel Motivation und Interesse am Themenkomplex!