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Erfahrungsbericht der Zweiten Andalusienreise

18.09.2011   |   In: Bildungsreisen

Ein langersehnter Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich bewanderte die  Straßen, Paläste und Moscheen Andalusiens. Es war für mich von Anfang an mehr als ein Urlaub. Es war ein Zeitgeist, den ich finden und spüren wollte. Es ist das Verlangen das abstrakte Wissen über die vergangenen glorreichen Imperien physisch fassbar zu machen. Im Bewusstsein die Bilder der eigenen Phantasie zu ersetzen mit Bildern außerhalb des Denkens - der Realität. Es ist die Suche nach den Spuren eigener Identität.

 
Ob ich all das fand, was ich erhoffte?
Sogar mehr als das. Mehr als ich mir vorstellen konnte...
 
Angefangen hat die Spurensuche in Granada. Die Stadt, die mich verzauberte, hatte so viel noch von früher zu erzählen, dass der Zeitgeist mich nicht in Ruhe lies. Trotzdessen, dass sehr viel von seiner glanzvollen Zeit zerstört wurde, hat es das prachtvollste beibehalten: Die Alhambra. Ein Palast mit immensem Prunk: Holzdecken mit Goldverzierungen, unzählige Brunnen sowohl im Palast, als auch im Garten, Farben und Muster an allen Wänden. Aber trotz alle dem die immerwährende Maxime an jeder Wand auf unterschiedlichste kunstvolle Art: Wa lā gālib illā-llāh („Es gibt keinen Sieger außer Allah“).
 
Es kommt den heutigen Menschen so abstrakt und fern von Realität vor, dass man in einem Monument herumläuft, das eins mal im glanzvollem Gebrauch war. Mit Menschen, die darin lebten und regierten. Man versucht sich ein Kopfkino vorzustellen, wie es wäre ein Teil des "Haushalts" jenes Palastes zu sein, durch den Garten zu schlendern, weil man grad nichts Besseres zu tun hat und die warme Sonne genießen möchte.
Es ist ein gewaltiger, die Sinne betäubender Prunk, das dem damals Lebendem und dem heute Besuchendem nicht vergessen lässt, dass der Schöpfer stets der Siegreiche ist...
 
Der Zeitgeist der glorreichen Epoche ist an den engen Gassen der Altstadt Granadas (Albacin) am deutlichsten zu spüren. Sie sind so eng, dass wenn ein Auto vorbeifährt, die Fußgänger sich an die Wände drücken müssen, damit das Auto durchkommt.
 
Angekommen in Sevilla. Genau genommen im Königspalast Alcázar. Ein Schloss, das christliche und muslimische Elemente in seiner Architektur innehat. Ein Kampf der Herrscher ist in diesem Palast für den heutigen Sichter offen zu erkennen. In diesem Schloss befindet sich der Saal in dem Christoph Columbus seine Versammlungen hielt. Allein dieses historische Merkmal macht dieses Schloss einzigartig und zu einem "Clash of Cultures".
 
Meine Begeisterung galt auch der Mezquita de Córdoba. Man möge zu der Mezquita de Córdoba folgende wichtigen Dinge wissen: Mit ca. 23.000 m² ist es der drittgrößte Moscheebau weltweit und das größte Moscheegebäude auf europäischem Boden. Es ist gleichzeitig ein Beweis dafür wie viele Muslime seiner Zeits dort lebten und augenscheinlich solch eine große Moschee füllen konnten. Oft ist es so, dass wir zwar auf Dingen gucken, aber nicht sehen. Etwas Sehen hat einen anderen Charakter. Ganz simples Beispiel: Zwei Menschen schauen in die gleiche Richtung gar dasselbe an. Der Eine versucht dem Anderen etwas zu zeigen und beschreibt verzweifelt den Gegenstand oder die Person. Doch leider sagt der Andere, dass er es nicht sieht und nicht weiß wo es sein soll. Das ist uns alles sicherlich schon einmal passiert. Man schaut dasselbe an, aber sieht eben nicht das dasselbe. Ich sah unter orientalischen Bögen abendländische Skulpturen. Ich sah einen Ort an dem die heutigen Debatten in Europa mit Muslimen ihren ganz offenen Ausdruck gefunden haben Jahrhunderte vorher. Und fragte mich: Hm. Sind wir wirklich weiter als vor hunderten Jahren?
 
Mein Appell: Jede Handlung hat eine Mission. So kann auch eine Reise mehr als eine Entspannungsabsicht haben. Jede Reise kann eine Pilgerfahrt werden, wenn sie eine Mission beim Reisenden innehat.
 
Von Rabia Akin