
I,Slam – Die Poesie von heute!
Eine lange Schlange vor dem Eingang des historischen Bärensaal im Berliner Senatsgebäude. Junge Musliminnen und Muslime warten auf den Einlass zur Auftaktveranstaltung des deutschlandweit ersten muslimischen Poetry Slam – dem I,Slam am 17. Dezember 2011. Alle Karten wurden restlos ausverkauft, so dass viele von den rund 350 Gästen sich mit den Stehplätzen begnügen mussten, um diesen besonderen Abend mit zu erleben. Seine Besonderheit gewinnt der I,Slam durch seine Einzigartigkeit, denn nie zuvor gab es einen muslimischen Poetry Slam, in dem nur mit den Grundwerten des Islam übereinstimmend zum Vortrag zugelassen wurde – den sogenannten 5 Säulen des I,Slam. In Form von Prosatexten oder Gedichten soll jungen, talentierten Muslimen die Möglichkeit gegeben werden, sich zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen zu äußern.
Den Auftakt bildete, nach der Begrüßung durch die beiden Moderatoren und Gründer des I,Slam Younes Al-Amayra und Yousef Adlah, eine Koranrezitation mit der Lesung des ersten Wortes „Iqra“ der Sure Al-Alaq, was übersetzt „trage vor“ bedeutet. Eingeladen wurden neun Slammer, davon vier weibliche Teilnehmerinnen, aus Berlin, Hamburg und sogar aus Wien, um sich zu Themen wie Arabischer Frühling, Fragen zum Islam, oder der Idee einer muslimischen Airline Gehör zu verschaffen.
Insgesamt gab es drei Vortragsrunden mit jeweils drei Wortakrobaten, die um die Gunst, die Herzen und die Zustimmung des Publikums stritten. In der ersten Runde überzeugte Sophie mit ihrem rührenden Text „10 Fragen über den Islam“. Ein Dialog mit ihrer Mutter als sie vor eineinhalb Jahren zum Islam konvertierte und sich diesen 10 kritischen Fragen gegenübergestellt sah.
Der aus Wien angereiste Mohamed Ali sorgte als Gewinner der nachfolgenden Runde mit einem amüsanten Text über die Idee einer muslimischen Airline für Gelächter im ganzen Publikum. So wären im Flugzeug solch einer Airline Gebetsteppische statt Sauerstoffmasken und Schwimmwesten platziert und gebetet würde während des Fluges natürlich in Richtung Kaaba, so dass die Flugzeiten nie eindeutig vorausgesagt werden könnten. Dass der Pilot als Imam mit bete, stehe dabei außer Frage.
Die drei Finalisten, die sich erfolgreich durch die Runden geschlagen hatten, sollten nun für die Endrunde mit einem weiteren Text die Bühne betreten und um den Sieg slammen. Schließlich überzeugte der Wiener Mohamed Ali mit einer überragenden Bühnenperformance durch Moonwalk und dem Wunsch nach gelatinefreien Gummibärchen und ließ sich zum Sieger des ersten I,Slam küren.
Neben den talentierten Slammern, waren es auch die zwei Moderatoren als unterhaltsames Duo und der Auftritt von Ammar & Sayfouddin 114, die den Abend lebendig in Erinnerung hielten.
Doch damit nicht genug. Nach der erfolgreichen Veranstaltung in der Geburtsstadt Berlin, soll die Reise des I,Slam nun auch durch die ganze Bundesrepublik weitergeführt werden. Am 02. Februar heißt der nächste Schauplatz Hamburg und auch dort gilt dann Bühne frei für die nächsten wortgewandten Slammer, die ihre Reime für den Sieg schmieden.













